Gewalt gegen Männer
Formen und Auswirkungen von Gewalt gegen Männer

Männer leben gefährlich, sie sind Gewalt ausgesetzt, und diese Gewalt ist alltäglich. Ein falscher Blick um 23.00 Uhr in der S-Bahn und der Mann riskiert, von einem aggressiv geladenen, andern Mann angegriffen zu werden. Gewalt gegen Männer wird im öffentlichen Raum überwiegend von Männern ausgeübt. Weibliche Täter mit männlichen Opfern sind in diesem Raum vergleichsweise selten.

Die Gewaltformen gegen Männer sind vielfältig und reichen von physischer (seelischer) und psychischer (körperlicher) bis zu struktureller Gewalt. Diese dritte Form der Gewalt äussert sich z.B. in der Diskriminierung nichtverheirateter Väter beim Sorgerecht, beim Militär- und Zivildienst als Zwangsdienste nur für Männer, bei der Ausgrenzung in Behörden.

Gewalt von Frauen gegen Männer findet überwiegend im privaten Raum (familiärer Bereich in heterosexuellen Beziehungen) statt. Diese Art von Gewaltausübung darf man sich jedoch nicht so vorstellen, dass dort dauernd geprügelt wird, wie uns das z.B. in der Diskussion um Männergewalt gegen Frauen als Normalzustand verkauft wird. In Zweierbeziehungen kommt v.a. die leichte und mittlere Gewaltausübung gegenüber Männern vor. Die schwere und andauernde Gewaltausübung gegen Männer ist daher nicht geeignet, das Problem in seiner Gesamtheit zu spiegeln.

Verbale (psychische) Gewalt gegen Männer fängt bei abwertenden Worten des Chefs an: "Das haben Sie stümperhaft gemacht". Und sie setzt sich fort durch Beschimpfungen durch die Ehefrau: " Du bist eine Niete, ein Trottel, ein Versager, ein Idiot".

Die anfänglich psychische Gewalt kann in massiver körperlicher (physischer) Gewalt enden. Massive Attacken und Übergriffe durch Täterinnen gefährden und zerstören die seelische und körperliche Integrität des betroffenen Mannes. Psychische Übergriffe können aber die zumindest gleichen, wenn nicht schlimmeren Folgen haben als körperliche.

Umgang mit Gewalterfahrungen

Besonders gefährdet sind Männer, die schon als Kind in starkem Masse Opfererfahrungen machen mussten. Diese Männer haben frühzeitig in ihrer Sozialisation gelernt, Opfer zu sein. Oftmals haben sie zu sich selbst einen schlechten Kontakt, spüren sich kaum, sie wissen auch nicht um die Wut, die Angst und die Trauer.

Wenn diese Männer die Opferrolle verlassen wollen, lernen sie, Kontakt zu sich selbst und zur Umwelt aufzunehmen. Dabei geht es u.a. darum, die eigenen Grenzen zu erspüren und Grenzverletzungen durch andere als solche wahrzunehmen und Handlungsmuster zu erlernen, wie die eigenen Grenzen geschützt werden können. Männer, die in der Kindheit massiven Traumatisierungen wie Misshandlung, Missbrauch oder Vernachlässigung ausgesetzt waren, erlernen die dazu nötigen Lernschritte am besten in einem geschützten und unterstützenden Umfeld.

Statistische Angaben zu weiblicher Gewalt

Nach Angaben politisch Verantwortlicher sollen nur 5 - 10 % der Opfer häuslicher Gewalt Männer sein. Demgegenüber müsste von 90 - 95 % Frauen als Opfer häuslicher Gewalt ausgegangen werden. Bedauerlicherweise werden keine Angaben zur Quelle für diese Zahlen gemacht. Kriminalstatistiken hierzu sind wenig brauchbar, da sie nichts über die Täter-Opfer-Relation aussagen und zum anderen nur die zur Anzeige gebrachten mutmasslichen Straftaten registriert werden.

Aus einer Auswertung aus Baden-Württemberg (Sven Höfer, in Kriminalistik, 11/2001) geht hervor, dass innerhalb der zur Anzeige gekommen 39'488 Körperverletzungsdelikten in 19 % der Fälle die Täterinnen weiblich und die dazugehörigen Opfer männlich sind.

Ergebnisse der Dunkelfeldforschung gehen jedoch von einer annähernd gleich hohen Anzahl von Männern und Frauen aus, die in häuslicher Gemeinschaft Gewalttätigkeiten ausüben. Eine der wenigen umfangreichen Dunkelfelduntersuchungen, die über das Ausmass familiärer Gewaltanwendung vorliegen, lässt erkennen, dass es in fast jeder dritten Familie seit der Eheschliessung zu Gewalttätigkeiten zwischen den Partnern gekommen war, wobei etwa ebenso viele Frauen ihre Männer schlugen wie umgekehrt (Strauss et al., 1980).

In Deutschland wurden im Jahr 1991 ca. 1,5 Millionen Männer zwischen 20 und 59 Jahren mindestens einmal Opfer physischer Gewalt in "engen sozialen Beziehungen". 214'000 Männer dieser Altersgruppe wurden sogar Opfer schwerer physischer Gewalthandlungen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, "Kriminalität im Leben alter Menschen", Kohlhammer 1995, ISBN 3-17-014216-X).

Lösungsansatz: Ein Männerhaus muss her!

Wenn Frauen es zu Hause nicht mehr aushalten oder sie Gewalt vom Partner erfahren, so können sie die Möglichkeit nutzen, für eine gewisse Zeit in einem Frauenhaus unterzukommen. Dort werden sie sozialpädagogisch betreut, auf Behördengängen begleitet, etc. In der Schweiz gibt es derzeit 18 Frauenhäuser.

Wenn Männer es zu Hause nicht mehr aushalten, wenn sie andauernde oder sich wiederholende physische oder psychische Gewalt von der Partnerin erfahren, müssen sie auf sich selbst gestellt nach einem Neuanfang suchen. Vielen Männern gelingt es, die notwendigen Schritte allein zu tun. Andere Männer dagegen sind mit der Krisensituation überfordert. Adäquate Beratungs- und Unterstützungsangebote, die sich gezielt an Männer in solchen kritischen Lebenslagen wenden, gibt es bis anhin kaum, Familienberatungsstellen fühlen sich für die Zielgruppe Männer nicht zuständig. Männerhäuser tun daher auch in der Schweiz Not!